Globales Tiergedächtnis-Archiv

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Archiv für Tierleid-Fälle

Flug Beijing-Haikou: Transporthund Gege wurde nach dem Entlaufen am Flughafen Meilan erschossen

2012-01-02 Siehe Artikeltext und Quellenangaben.
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Am 2. Januar 2012 flog eine vierjaehrige Teddy-Huendin namens “Gege” mit Angehoerigen ihrer Halterin auf Hainan-Airlines-Flug HU7182 von Beijing nach Haikou. Gege wurde in einer Transportbox als mitreisendes Gepaeck aufgegeben. Nach der Ankunft des Flugzeugs am Flughafen Haikou Meilan hoerte die Halterseite nicht zuerst, sie sei sicher angekommen, sondern dass der kleine Hund weggelaufen und nicht zu finden sei; spaeter wurde ihr mitgeteilt, Gege sei tot.

Von einer Internetnutzerin gepostete Fotos des transportierten Haushundes Gege vor dem Flug
Von der Internetnutzerin “Miao Qinglang” veroeffentlichte und von Medien erneut verbreitete Fotos von Gege vor dem Transport. Zu sehen sind Gege in der Transportbox und ein Lebendbild. Quelle: Hinews / People.cn Hainan.

Oeffentliche Berichte von Hinews, People.cn, Sina und anderen Medien zeigten, dass die Internetnutzerin “Miao Qinglang” an diesem Tag in mehreren Weibo-Beitraegen fragte: Warum oeffnete sich Geges Transportbox, wie konnte der Hund aus der Box laufen, und warum wurde er letztlich erschossen, obwohl er niemanden angegriffen hatte? Die Berichte erwaehnten auch, dass Gege nur etwa viereinhalb Jin wog. Fuer viele Leser war dies kein einfacher Transportunfall, sondern die Tragödie eines kleinen Begleithundes, der in der Transportkette den Schutz verlor und dann unter Flughafen-Sicherheitsablaeufen schnell beseitigt wurde.

Von der Transportbox bis an den Rand der Rollbahn: Die Schluesselfragen sind mit dem Wort Sicherheit nicht erledigt

Der Flughafen Haikou Meilan veroeffentlichte spaeter ueber seinen offiziellen Weibo-Account eine Lageerklaerung. Darin hiess es, Geges Transportbox sei aus Kunststoff gewesen und sehr eng gepackt; nach dem langen Transport habe sich die Gittertuer verformt und geloest. Nachdem die Box auf den Gepaecksortierteller gestellt worden sei, sei Gege selbst herausgelaufen. Der Flughafen erklaerte ausserdem, vor Ort haetten zunaechst drei Mitarbeiter versucht, sie einzukreisen und zu fangen; danach seien sieben weitere Personen hinzugezogen worden, um sie lebend einzufangen und wieder in die Box zu setzen, jedoch ohne Erfolg.

Lageerklaerung des Flughafens Haikou Meilan zum Transportfall des Haushundes Gege
Screenshot der vom Flughafen Haikou Meilan veroeffentlichten Lageerklaerung. Quelle: Sina News / Nachdruck bei People.cn.

Der entscheidende Grund in der Erklaerung des Flughafens war, dass Gege spaeter in die Naehe eines Verbindungsrollwegs etwa 100 Meter von der Start- und Landebahn entfernt gelangt sei. Zu diesem Zeitpunkt habe ein Flugzeug landen sollen, waehrend ein anderes auf dem Rollweg unterwegs gewesen sei und zum Start bereitgestanden habe. Der Flughafen war der Auffassung, dass ein kleiner Hund auf der Bahn in ein Flugzeugtriebwerk gesaugt werden und Schaeden am Luftfahrzeug oder sogar einen schweren Unfall verursachen koenne; deshalb sei die Erschiessung vorgenommen worden.

Flugsicherheit darf selbstverstaendlich nicht geringgeschaetzt werden. Start- und Landebahnen, Rollwege und Verbindungsrollwege sind keine gewoehnlichen oeffentlichen Raeume, und ein eingedrungenes Tier kann tatsaechlich ein Risiko darstellen. Das bedeutet aber nicht, dass alle spaeteren Fragen entfallen: Warum verformte sich die Transportbox? Wurden Kontrolle beim Transport und beim Entladen ausreichend wahrgenommen? Gab es mildere und praktisch verfuegbare Einfangwerkzeuge? Warum wurde die Halterin nicht frueher informiert? Kann die Ueberwachung den gesamten Weg von Geges Entlaufen bis zu ihrer Erschiessung zeigen? Diese Fragen betreffen nicht nur Entschaedigung, sondern auch, ob vergleichbares Leben kuenftig besser geschuetzt werden kann.

Die Zweifel der Halterseite: Box, Benachrichtigung, Ueberwachung und Verletzungen am Koerper

In fruehen Berichten meinte die Halterseite, die Eisengittertuer der Transportbox sei von innen schwer selbst zu oeffnen, und sie zweifelte an, ob Nachlaessigkeit von Mitarbeitern dazu gefuehrt habe, dass Gege entlief. Ein von Sohu uebernommener Bericht der Legal Evening News erwaehnte ausserdem, Hainan-Airlines-Mitarbeiter haetten der Halterseite ein etwa 15 Sekunden langes Video zur Verfuegung gestellt; das Video habe jedoch keine Aufnahmezeit ausgewiesen und nicht den gesamten Ablauf gezeigt, wie Gege auf die Bahn lief. Auch zu der Frage, wie sich die Boxentuer oeffnete, und warum andere Koerperstellen Bluterguesse aufwiesen, akzeptierte die Halterseite die Schlussfolgerung des Flughafens weiterhin nicht.

Foto von Blutspuren am Kopf von Gege nach ihrem Tod
Ausschnitt eines von Medien erneut veroeffentlichten Fotos von Gege nach ihrem Tod; das Bild zeigt Blutspuren am Kopf. Quelle: Sina News / Nachdruck bei People.cn. Es handelt sich um oeffentliches Berichtsmaterial, das diese Seite zur Dokumentation der Folgen bewahrt.

Fuer eine Familie bedeutet Transport nicht, ein Leben einer Reihe von Haftungsausschluessen zu uebergeben, sondern ein ueber Jahre versorgtes Begleittier einem bezahlten, regulierten und rueckverfolgbaren Transportsystem anzuvertrauen. Was von Gege schliesslich zurueckgegeben wurde, war nicht ein sicher angekommener Koerper, sondern ein blutiger Leichnam. Ein solches Ergebnis bleibt schwer, ganz gleich, wie die Verantwortung letztlich verteilt wird.

Prozess und Vermittlung: Gege wartete nicht mehr auf vollstaendige oeffentliche Antworten

Im Oktober 2013 berichtete The Beijing News, Geges Halterin Frau Ni habe Hainan Airlines verklagt und fordere wirtschaftlichen Schadenersatz sowie Schmerzensgeld fuer seelischen Schaden in Hoehe von fast 100.000 Yuan. Hainan Airlines erklaerte in der Verhandlung, nach dem Vorfall haetten die Fluggesellschaft und der Flughafen Meilan oeffentlich reagiert und sich entschuldigt; man sei bereit, eine Vermittlung zu akzeptieren, sehe aber auch Qualitaetsprobleme der Transportbox und eine gewisse Verantwortung der Klaegerin. Der Bericht schrieb zudem, weil zentrale Beweise wie das Vorfallvideo noch nicht vollstaendig geprueft worden seien, werde der Fall zu einem spaeteren Termin weiter verhandelt.

Oeffentliche Unterlagen zeigen keinen von dieser Seite bestaetigbaren endgueltigen Volltext eines Urteils. Sicher ist, dass Geges Tod anhaltende Kontroversen ausloeste: Eine Seite betonte die Sicherheit der Rollbahn, die andere fragte nach dem Versagen der Transportkette und danach, ob die Reaktion uebermaessig war. Geges Name blieb in den Nachrichten und erinnert daran, dass es zwischen Flugsicherheit und Tierleben nicht nur den groben Weg “Risiko erkannt, Tier erschossen” geben sollte.

Hinweis zu aehnlichen Faellen: Erschiessen ist nicht automatisch die einzige Wahl

2015 erwaehnte die bei Guangming Online erschienene Digest-Zeitung in einer Diskussion ueber einen Transporthund, der auf das Vorfeld gelangte und erschossen wurde, dass nach einschlaegigen Regeln Tiere, die von der Frachttransportabteilung befoerdert werden und im Flughafenbereich entlaufen, unverzueglich eingefangen und die Flughafenverwaltung rechtzeitig informiert werden sollten; wenn ein laengeres Zeitfenster bestehe, koenne der Flughafen die Bahn voruebergehend schliessen und eine Einfangaktion durchfuehren. Nur wenn das Einfangen erfolglos bleibe und Start- oder Landerisiken bestünden, koenne eine extremere Massnahme eingeleitet werden.

Das zeigt: Der Kern des Problems ist nicht, Flughafenrisiken zu leugnen, sondern zu verlangen, dass “letzter Ausweg” wirklich letzter Ausweg bleibt. Fuer ein Begleittier wie Gege sollte Leben nach einem Prozessfehler nicht mit dem Satz “nach Vorschrift” beiseitegeschoben werden. Zu einer humanen Handhabung gehoeren verlaesslichere Kontrollen von Transportboxen, fruehere Benachrichtigung der Halter, professionellere Einfangwerkzeuge, vollstaendigere Offenlegung der Ueberwachung und eine Nachpruefung des Vorfalls.

Zeitleiste

  • 02.01.2012, gegen 12:35 Uhr: Gege flog mit Hainan-Airlines-Flug HU7182 von Beijing nach Haikou und wurde als mitreisendes Haustier aufgegeben.
  • Nachmittag des 02.01.2012: Nach der Ankunft des Fluges in Haikou wurde der Halterseite mitgeteilt, Gege sei aus der Transportbox entlaufen und spaeter gestorben; die Internetnutzerin “Miao Qinglang” stellte Fragen auf Weibo und fuegte Fotos von vor dem Transport bei.
  • 03.-04.01.2012: Hainan Airlines und der Flughafen Haikou Meilan aeusserten nacheinander Bedauern; der Flughafen Meilan veroeffentlichte eine Lageerklaerung und schrieb, man habe eine Einfangaktion organisiert und spaeter wegen Flugsicherheitsrisiken geschossen.
  • 05.01.2012: Medien berichteten, der Flughafen habe Untersuchungsergebnisse veroeffentlicht; die Halterseite zweifelte weiterhin an der Oeffnung der Boxentuer, der Ueberwachung und den Verletzungsspuren.
  • 10.10.2013: The Beijing News berichtete, Geges Halterin habe Hainan Airlines auf fast 100.000 Yuan verklagt; in der Verhandlung erklaerte die Beklagte, sie sei zu Vermittlung bereit.

Oeffentliche Quellen

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