Globales Tiergedächtnis-Archiv

Ein gemeinnütziges Langzeitarchiv für Tiergeschichten, Gedenkeinträge, quellenbasierte Fallakten und Erinnerungen an das Zusammenleben von Menschen und Tieren.

Tiergeschichten

Rags: der Mischlingshund, der im Ersten Weltkrieg Nachrichten durch Beschuss trug

1936-03-06 Siehe Artikeltext und Quellenangaben.
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Rags war ein Mischlingshund, den der amerikanische Soldat James Donovan in Paris fand. Spaeter wurde er zum Maskottchen und Meldehund der 1st Infantry Division der US-Armee. In der Maas-Argonnen-Offensive 1918 soll er trotz Verwundung durch Granatfeuer und Gas eine wichtige Nachricht durchgebracht haben. Sein Hundefuehrer Donovan starb spaeter an den Folgen seiner Verwundungen.

Paris / Maas-Argonnen / USA | Meldehund des Ersten Weltkriegs Rags

Rags um 1920 in Fort Hamilton. Bildquelle: Wikimedia Commons, lokal gespeichert.
Rags um 1920 in Fort Hamilton. Bildquelle: Wikimedia Commons, lokal gespeichert.

Ein “Lappen” auf den Strassen von Paris

Am 14. Juli 1918 fand der amerikanische Soldat James “Jimmy” Donovan in Paris einen kleinen struppigen Hund. Eine verbreitete Erzaehlung sagt, Donovan habe ihn gegenueber der Militaerpolizei als eine Art gefundenes Buendel ausgegeben und ihm deshalb den Namen Rags gegeben.

Rags wurde bald in das Leben der 1st Infantry Division aufgenommen. Er war kein planmaessig eingestellter Militaerhund, baute aber eine stabile Beziehung zu den Soldaten auf und folgte der Einheit an die Front.

Befehle, Warnungen und Maas-Argonnen

Rags lernte, Nachrichten zwischen hinteren Kommandoposten und vorderen Linien zu tragen. Ausserdem wird berichtet, dass er die Soldaten vor einschlagenden Granaten warnen konnte. In einer Zeit, in der Kriegsnachrichten oft unterbrochen wurden, konnte ein kleiner Hund, der durch Beschuss lief und Papier trug, darueber entscheiden, ob Unterstuetzung rechtzeitig eintraf.

In der Maas-Argonnen-Offensive soll Rags eine wichtige Nachricht ueberbracht haben, waehrend er durch Granatsplitter verwundet und durch Gas geschaedigt wurde. Auch sein Ausbilder Donovan wurde schwer verletzt und starb spaeter in einem Armeekrankenhaus. Rags kam danach in die Familie von Major Raymond W. Hardenbergh. Auch das zeigt: Sogenannte Kriegshunde waren keine abstrakten Werkzeuge. Zwischen Rags und Donovan lagen Fund, Alltag, Front, Abhaengigkeit und Trennung.

Leben nach dem Krieg

Rags lebte nach dem Krieg viele Jahre weiter. 1920 soll er die Angehoerigen des 18th Infantry Regiment bei einer Parade in New York wiedererkannt haben. Spaeter erhielt er Gedenkauszeichnungen und oeffentliche Aufmerksamkeit und starb 1936 in Silver Spring, Maryland.

Beim Erzaehlen seiner Geschichte ist Vorsicht noetig, damit Tapferkeit im Krieg nicht romantisiert wird. Rags war mutig, weil er in extrem gefaehrlichen und verwirrenden Umstaenden handelte; doch erst die Verwundungen, Donovans Tod und die Erinnerungen der Soldaten machen seine Geschichte vollstaendig.

Warum er aufgenommen wird

Rags laesst erkennen, welche wirklichen Risiken Tiere in Kriegskommunikation und Frontdienst trugen. Er ist kein maerchenhafter Held, der sprechen konnte, sondern ein kleiner Hund, der mitten im Laerm, in Angst und in Giftgas der menschlichen Kriegswelt auf konkrete Weise Aufgaben erfuellte.

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