1928 reiste der 19-jaehrige Morris Frank in die Schweiz und wurde mit einer Deutschen Schaeferhuendin zusammengefuehrt, die urspruenglich Kiss hiess und spaeter von ihm Buddy genannt wurde. Nach Abschluss des Trainings kehrten beide in die USA zurueck und zeigten auf den Strassen New Yorks oeffentlich, wie ein Blindenfuehrhund sehbehinderten Menschen selbststaendige Mobilitaet ermoeglichen kann. Diese Vorfuehrungen trugen zur Gruendung von The Seeing Eye bei.
Vevey, Schweiz / New York und Nashville, USA | Blindenfuehrhund Buddy

Ein Brief und eine weite Reise
Morris Frank erblindete in seiner Kindheit und Jugend nach zwei Unfaellen. Nachdem er Dorothy Harrison Eustis’ Artikel ueber die Ausbildung von Blindenfuehrhunden in Europa gelesen hatte, schrieb er ihr. Er wollte nicht nur fuer sich selbst einen Blindenfuehrhund bekommen, sondern hoffte auch, diese Arbeit in die Vereinigten Staaten zu bringen. Eustis lud ihn zum Training in die Schweiz ein.
1928 wurde Frank in Fortunate Fields in der Schweiz mit einer weiblichen Deutschen Schaeferhuendin zusammengefuehrt. Sie hiess urspruenglich Kiss; Frank nannte sie Buddy. Das Training bedeutete nicht einfach, dass “ein Hund einen Menschen fuehrt”, sondern dass ein Mensch und ein Hund lernten, auf echten Strassen gemeinsam zu urteilen: ueber Hindernisse, Stufen, Menschenmengen, Geschaefte, Verkehr und gefaehrliche Kreuzungen.
Nach der Rueckkehr nach New York
Als Frank und Buddy im Juni 1928 nach New York zurueckkehrten, standen sie sofort der Skepsis von Medien und Oeffentlichkeit gegenueber. Oeffentliche Unterlagen berichten, dass Frank sich von Buddy ueber die gefaehrliche West Street fuehren liess und spaeter waehrend der abendlichen Hauptverkehrszeit am Broadway die praktische Faehigkeit eines Blindenfuehrhundes demonstrierte. Das Telegramm, das Frank an Eustis zurueckschickte, bestand aus nur einem Wort: Success.
Die Bedeutung dieser Geschichte liegt nicht in einer einzelnen dramatischen Rettung, sondern darin, dass sich Tueren des oeffentlichen Lebens oeffneten: Restaurants, Hotels, Zuege, Strassen und Arbeitsplaetze mussten die Beziehung zwischen sehbehinderten Menschen und Blindenfuehrhunden neu verstehen. Frank und Buddy warben spaeter an vielen Orten fuer Blindenfuehrhunde und Zugangsrechte und foerderten auch die Gruendung von The Seeing Eye im Jahr 1929.
Buddy war deshalb nicht einfach “der erste Hund, der den Weg zeigen konnte”. Gemeinsam mit Frank verwandelte sie den Blindenfuehrhund in den Augen der Oeffentlichkeit von einer Neuheit in eine stabile, ernsthafte und wiederholbare Assistenzbeziehung.
Warum aufgenommen
Buddy steht fuer eine andere Form, in der Tiere Menschen aus Notlagen helfen: nicht indem sie jemanden aus Truemmern finden, sondern indem sie einen Menschen langfristig aus Abhaengigkeit und Isolation herausbegleiten. Ihre Geschichte mit Morris Frank machte “sichere Mobilitaet” zu einem Recht, das gesellschaftlich sichtbar und institutionell anerkannt werden konnte.


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