Globales Tiergedächtnis-Archiv

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Tiergeschichten

Clever Hans: das Pferd, das Menschen Tierfaehigkeiten und Beobachtungsfehler neu verstehen liess

1916 Siehe Artikeltext und Quellenangaben.
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Clever Hans war ein beruehmtes Pferd im Deutschland des fruehen 20. Jahrhunderts. Bei oeffentlichen Vorfuehrungen schien er rechnen, lesen, schreiben und Fragen beantworten zu koennen. 1907 zeigte der Psychologe Oskar Pfungst, dass Hans nicht wirklich rechnete, sondern unbewusste Koerpersignale seines Trainers las. Der Fall wurde spaeter als “Clever Hans effect” bekannt und praegte die Forschung zu Tierkognition und Versuchsmethoden tief.

Berlin und andere Orte in Deutschland | Pferd Clever Hans

Bild einer Vorfuehrung von Clever Hans im Jahr 1904. Bildquelle: Wikimedia Commons, lokal gespeichert.
Bild einer Vorfuehrung von Clever Hans im Jahr 1904. Bildquelle: Wikimedia Commons, lokal gespeichert.

Ein Pferd, das scheinbar rechnen konnte

Clever Hans wurde etwa 1894 geboren; sein Besitzer Wilhelm von Osten war Mathematiklehrer und Amateur-Pferdetrainer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts loesten Hans’ oeffentliche Vorfuehrungen grosses Aufsehen aus: Er schien addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren, mit Bruechen umgehen, Uhren lesen, Kalender erkennen, Tonhoehen unterscheiden und sogar Deutsch verstehen zu koennen.

Damals war das oeffentliche Interesse an Tierkognition gross. Nach Darwin suchten viele Menschen begierig nach Belegen fuer tierliche Intelligenz. Hans wurde deshalb von vielen als Beweis fuer hoehere numerische Faehigkeiten bei Tieren angesehen.

Pfungsts Untersuchung

1907 fand der Psychologe Oskar Pfungst durch Experimente heraus, dass Hans keine Mathematik betrieb, sondern aeusserst feine Koerpersignale von Fragestellern und Zuschauern las. Wenn die fragende Person die Antwort kannte, veraenderte sie unbewusst Haltung oder Gesichtsausdruck, sobald Hans sich der richtigen Zahl von Hufschlaegen naeherte; Hans bemerkte diese Veraenderungen.

Das bedeutet nicht, dass Hans “gar nichts konnte”. Im Gegenteil: Es zeigte, dass Pferde fuer menschliche Koerpersprache ausserordentlich empfindlich sein koennen. Korrigiert wurde vor allem die menschliche Neigung, eigene Erwartungen mit tierlichem Denken nach Menschenart zu verwechseln.

Clever Hans effect

Spaeter wurde der “Clever Hans effect” zu einem wichtigen Begriff der Forschungsmethodik. Er erinnert Forschende daran, dass Versuchstiere moeglicherweise auf unbeabsichtigte Hinweise der Forschenden reagieren, nicht auf die Variable, die untersucht werden soll.

Der Fall beeinflusste Tierkognition, Psychologie, Verhaltensforschung und Versuchsplanung. Er verlangt strengere Verblindung von Antworten, Kontrolle von Hinweisen und Schutz vor Ergebnissen, die durch Erwartungen der Beobachter verzerrt werden.

Warum er aufgenommen wird

Die Geschichte von Clever Hans ist nicht einfach die Geschichte eines Pferdes, das nicht rechnen konnte. Ihre tiefere Bedeutung liegt darin, dass Tiere Menschen tatsaechlich beobachten, nur nicht unbedingt auf die Weise, die Menschen sich vorstellen. Sie gab der Forschung zu Tierfaehigkeiten mehr Demut und methodisches Selbstbewusstsein.

Oeffentliche Quellen

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