Globales Tiergedächtnis-Archiv

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Harbin: Drei Hauskatzen wurden waehrend der Quarantaene ihrer Halterin euthanasiert

2021-09-28 China, Heilongjiang, Harbin
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Im September 2021 erhielt eine COVID-19-Patientin in Harbin, die im Krankenhaus isoliert behandelt wurde, eine Mitteilung der Gemeinde: Ihre drei zu Hause gebliebenen Hauskatzen seien zweimal positiv auf Nukleinsaeure getestet worden und muessten euthanasiert werden. Die Katzenhalterin bat auf Weibo um Hilfe und hoffte, ihr Leben erhalten zu koennen oder wenigstens eine humanere und vorsichtigere Behandlung zu erreichen. Am Abend des 28. September berichteten mehrere Medien, die drei Katzen seien bereits euthanasiert worden. Dieser Vorfall war kein typischer Fall individueller Gewaltausuebung, zeigte aber deutlich eine uebereilte und kalte Folgeverletzung im Pandemiemanagement: Begleittiere wurden rasch als Risikoobjekte betrachtet, waehrend die Bitte der Halterin, das Leben der Tiere und das spaetere psychische Trauma sehr niedrig gewichtet wurden.

Von China Digital Times gesicherter Screenshot zum Fall der drei in Harbin euthanasierten Katzen
Von China Digital Times gesicherter Screenshot zum Fall der drei in Harbin euthanasierten Katzen. Bildquelle: oeffentliche Seite von China Digital Times.

Eine Halterin in Isolation, drei Katzen zu Hause

Oeffentliche Berichte zeigen, dass die Katzenhalterin damals als bestaetigte COVID-19-Patientin im Krankenhaus isoliert behandelt wurde. Ihre drei zu Hause gebliebenen Hauskatzen wurden nacheinander auf Nukleinsaeure getestet, und ihr wurde mitgeteilt, dass die Ergebnisse zweimal positiv gewesen seien. Gemeindemitarbeiter informierten sie danach, dass die drei Katzen euthanasiert werden muessten.

Das war keine gewoehnliche Entscheidung der “Haustierverwaltung”. Die Halterin selbst war nicht zu Hause und konnte sie nicht persoenlich schuetzen, umsetzen oder unterbringen; die drei Katzen konnten weder Angst noch Schmerz noch Bindung ausdruecken. Als die Verwaltungsentscheidung fiel, befanden sich sowohl der isolierte Mensch als auch die zu Hause zurueckgelassenen Tiere in einer schwachen Position.

Screenshot des Hilferufs der Katzenhalterin auf Weibo
Screenshot des Hilferufs der Katzenhalterin auf Weibo. Bildquelle: von Animal Friendly Net wiedergegebene oeffentliche Materialien.

Der Hilferuf aenderte das Ergebnis nicht

Der von China Digital Times gesicherte Weibo-Inhalt der Beijing News schrieb, am 27. September haetten Gemeindemitarbeiter die Katzenhalterin informiert, dass die drei Katzen wegen zweier positiver Nukleinsaeuretests euthanasiert werden muessten; am 28. September gegen 18 Uhr habe die Beijing News erfahren, dass die drei Katzen bereits euthanasiert worden seien. VOA Chinese und Animal Friendly Net berichteten ebenfalls ueber diesen Ablauf.

Die Katzenhalterin hatte im Internet um Hilfe gebeten und versucht, fuer die drei Katzen die Moeglichkeit des Weiterlebens zu erstreiten. Sie entzog sich nicht der Isolation und verweigerte keine Behandlung, sondern sprach aus einem Krankenzimmer heraus, in einer Lage, in der sie nicht nach Hause konnte, fuer die Leben, die ihr im Alltag am naechsten standen. Der Hilferuf aenderte das Ergebnis nicht; diese Ohnmacht selbst war bereits eine schwere psychische Verletzung.

Screenshot einer spaeteren Stellungnahme der Katzenhalterin
Screenshot einer spaeteren Stellungnahme der Katzenhalterin. Bildquelle: von Animal Friendly Net wiedergegebene oeffentliche Materialien.

“Positiv” darf nicht direkt mit “muss sterben” gleichgesetzt werden

In der fruehen und mittleren Phase der Pandemie stand die oeffentliche Verwaltung tatsaechlich vor vielen Unbekannten und unter grossem Druck. Doch oeffentliches Gesundheitsmaterial weist seit langem darauf hin, dass sich das Coronavirus hauptsaechlich von Mensch zu Mensch verbreitet und das Risiko einer Uebertragung vom Tier auf den Menschen gering ist. Selbst wenn ein Haustier positiv getestet wird, sollte daraus nicht automatisch “muss gekeult” oder “muss euthanasiert werden” abgeleitet werden.

Ein vernuenftigerer Weg haette Quarantaenebeobachtung, Kontaktreduzierung, Umgebungsdesinfektion, Betreuung durch Fachpersonal sowie bei Bedarf erneute Tests und medizinische Bewertung umfassen sollen. Gegenueber Leben darf administrative Bequemlichkeit nicht zum alles ueberwiegenden Grund werden.

Berichtbild von Animal Friendly Net zum Fall der drei Katzen in Harbin
Berichtbild von Animal Friendly Net zum Fall der drei Katzen in Harbin. Bildquelle: oeffentlicher Bericht von Animal Friendly Net.

Missachtung tierlichen Lebens verletzt auch Menschen

Begleittiere sind keine Anhaengsel des Menschen und kein jederzeit entfernbarer Hausrat. Fuer viele Familien sind Katzen und Hunde Teil des Alltags, emotionaler Stuetzen und naher Beziehungen. Gerade in Isolation, Behandlung und Angst beeinflusst die Sicherheit von Haustieren unmittelbar den psychischen Zustand ihrer Halter.

Die schnelle Beseitigung der drei Katzen bedeutete fuer die Tiere das Ende ihres Lebens; fuer die Halterin war es eine weitere Schicht von Schmerz. Sie trug bereits Infektion, Isolation, sozialen Druck und die Ungewissheit der Behandlung und musste dann, ohne nach Hause zu koennen, vom Tod ihrer Haustiere erfahren.

Humanere Loesungen gab es sehr wohl

In spaeteren oeffentlichen Berichten erprobten mehrere Orte Haustierbetreuung fuer isolierte Personen, Hausbesuche zum Fuettern, temporaere Pflege, Tests und Quarantaenebeobachtung. Beispiele wie Shenzhens “Haustier-Fangcang” und Chengdu, wo Haustiere isolierter Bewohner zu Hause versorgt wurden, zeigen, dass Haustierbetreuung in der Pandemie kein unloesbares Problem war.

Der Fall der drei Katzen in Harbin sollte gerade deshalb dokumentiert werden, weil er spaetere Menschen daran erinnert: Verwaltung in einer oeffentlichen Krise darf nicht nur Effizienz berechnen; sie muss auch die emotionalen Beziehungen und Lebensverflechtungen der verwalteten Menschen sehen.

Dieser Fall war keine typische boeswillige Misshandlung und Toetung, gehoert aber dennoch zu den Verletzungen, die dokumentiert werden muessen. Denn er liess drei Katzen, die sich nicht selbst retten konnten, ihr Leben verlieren und fuegte der isolierten Halterin ein vermeidbares psychisches Trauma zu.

Zeitleiste

  • 27. September 2021: Die Katzenhalterin in Harbin erhielt waehrend der isolierten Behandlung die Mitteilung, dass ihre drei zu Hause gebliebenen Hauskatzen wegen zweier positiver Nukleinsaeuretests euthanasiert werden muessten.
  • 28. September 2021: Medien berichteten, die drei Katzen seien bereits euthanasiert worden; der Vorfall loeste auf Weibo und anderen Plattformen umfangreiche Diskussionen aus.
  • Spaetere Diskussionen: Medien, Tierschutzplattformen und Juristen diskutierten weiter ueber Notwendigkeit, Verfahren und humanere Alternativen bei der Behandlung von Haustieren waehrend der Pandemie.

Quellen

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